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Stimmbänder als ein betörendes Instrument

Überzeugendes ,Vocanta’-Konzert
 Stimmbänder als ein betörendes Instrument
Einen guten Musikgeschmack hatten einige Päpste allemal - obwohl sie ein bisschen egoistisch waren. Die eindrucksvolle Komposition «Miserere» von Gregorio Allegri (1582-1652) durfte nur in der Sixtinischen Kapelle während der Karwoche gesungen werden. Das Kopieren der Musiknoten war verboten. Während eines Rombesuchs im Jahre 1770 soll der vierzehnjährige Mozart den Chorgesang zweimal gehört und aus dem Gedächtnis aufgeschrieben haben.

Inzwischen wird das Stück selbst in evangelischen Gotteshäusern zum Besten gegeben – so geschehen in der Neustädter Kirche unter der umsichtigen Leitung von Joachim Adamczewski. Hier zeigte der Chor «Vocanta» (ehemals «Erlanger Grillen»), dass die Stimmbänder des Menschen ein betörendes Instrument sind. Mehr noch: Stimmbänder können ein ganzes Orchester simulieren und die Zuhörer in die ferne Zeit der Spätrenaissance entführen. Gleich neun Stimmen erzeugen eine fast magische Stimmung im Kirchenschiff.

Choralweisen und Chorstrophen

Vor dem Altar ein vierzigköpfiger Chor mit den männlichen Stimmlagen Bass und Tenor und den weiblichen Lagen Alt, Mezzo und Sopran; oberhalb des Altars, rechts hinten auf der Empore, ein «Fernchor»: je eine Solostimme Alt, Sopran und Tenor, schließlich noch zwei Bässe. Der Wechsel von gregorianischen Choralweisen zu Chorstrophen geht Hand in Hand. Plötzlich bricht eine Sopranstimme aus, erklimmt mit Leichtigkeit ganz neue Höhen und überstrahlt den Chor in Windeseile.

Später folgt moderne Kirchenmusik: Francis Poulenc, Zoltan Kodaly. Bei Petr Eben (1929-2008) sind gar Taizé-Gesänge zu vernehmen. Nur die Altmeister der evangelischen Kirchenmusik schweigen heute: kein Johann Sebastian Bach, kein Josef Rheinberger, kein Mendelssohn. Lediglich der Amtsvorgänger von Bach in Leipzig ist zu hören: Johann Kuhnau mit «Tristis est anima mea (meine Seele ist betrübt)». WERNER VEITH

Weitere Infos und Konzerttermine unter www.vocanta.de
1.4.2009
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