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Zwischen Melancholie und Hintersinn |
| Ein überzeugendes «Liederluder»: Johanna Moll und Markus Just beim «Podium»-Festival |
| Zwischen Melancholie und Hintersinn |
Im Rahmen des Theaterfestivals «Podium» trat das Erlanger-Berliner -«Liederluder» wieder in Aktion. Johanna Moll gelingt es mit wenig Requisiten, effektivem Einsatz von Gestik und Mimik und ihrem typischen intim-verräucherten Stimmtimbre die authentische Atmosphäre wandernder Schauspielartisten zu erzeugen. Als ob sie gerade mit ihrem Zigeunerwagen hier haltgemacht hätte - man würde sich kaum wundern, wenn sie auch noch mit Kaffeesatz- und Handlesen beginnen würde.
In die gut besuchten «Garage» kam sie mit internationaler Besetzung: Mit ihrem italienischen Akkordeon und ihrem japanischen E-Piano, auf denen sie ihre lyrischen Eigenkompositionen und Lieddichtungen selbst begleitet.
Moll hat gern alles unter Kontrolle und kennt sich mit Partnerkrisen aus: Deshalb hat sie ihrem Fürther Bühnenpartner Markus Just ein Glöckchen ums Bein gebunden, damit er - der wie alle Männer konfliktscheu ist und ab dem achten Lebensjahr von der Quarter- in die Midlife- und sonstige Kriese taumelt - nicht einfach ausbüchst, sondern auch hinter der Bühne noch zu hören ist.
Just verstärkt das circensische Brettl-Ambiente nochmals um hundert Prozent und ist für Moll die ideale Ergänzung: Der Clown, Pantomime, Körperartist und Comedian bietet hintersinnig-poetische Tanzeinlagen zu Molls melancholisch-poetischen Liedern. Beide Künstler verbindet derselbe Sinn für Gesellschaftskritik und grotesken Humor, der jedoch nie verletzend oder grob wird. So spielt der hagere Artist (als passenden Kommentar zu den Liedern) mit beeindruckender Mimik einen brutal machohaften Firmenchef, der weibliche Büroangestellte ausnutzt oder als Kontrast den Prototyp aller unschuldig wirkenden Zwerge, die mit raffinierter Niedlichkeits- und Bedürftigkeitsmasche naive Schneewittchen ausnutzen.
Seine unglaubliche Körperbeherrschung demonstriert Just durch eine rein tänzerische Nachstellung der menschlichen Evolutionsgeschichte: Er kauert auf einem Stuhl, richtet sich im Zeitlupentempo auf zwei Beine auf, wird übermütig, beginnt zu tanzen und zu feiern und sägt schließlich in einem makaber-orgiastischen Akt der Selbstzerstörung mit einer Kettensäge den Stuhl beziehungsweise den Ast ab, auf dem er selber sitzt - es ist so grotesk, dass es schon wieder komisch wirkt.
Mit ihren poetisch getanzten und gesungenen Liebesliedern dagegen, die feinsinniges Verständnis für die Zwischentöne der kleinbürgerlichen Seele zeigen, rühren die beiden Künstler die Seele des Publikums an: Ein Highlight der hiesigen Theaterszene, das größeren Bekanntheitsgrad verdient. NATALIE BOST |
| 5.7.2008 |
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ERLANGER NACHRICHTEN |
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