Der Erlanger «Berg» hat nicht nur seinen ersten Toten (siehe Bericht auf dieser Seite), er hat auch seinen ersten kleinen Skandal: Seit Donnerstag steht fest, dass ein großer Teil der Maßkrüge einen falschen Füllstrich hat, zudem wurde ein Traditionskeller wegen schlechten Einfüllens abgemahnt und mit einem Bußgeld belegt.
Dass die Krüge falsch geeicht sein könnten ist den Kellerwirten selbst nicht eingefallen, wie Erich-Wirt Thomas Fischer sagt, «schließlich bekomen wir die Krüge von unseren Brauereien gestellt und müssen davon ausgehen, dass der Füllstrich passt». Als er die Nachricht vom Erlanger Ordnungsamt erhielt, dass da etwas nicht stimmen könne, «war ich völlig von den Socken, zumal wir unsere Schankleute angewiesen haben, wirklich voll zu machen - schließlich sind sieben Euro für die Leute kein Pappenstiel, da muss die Maß schon voll sein.»
Umso ärgerlicher ist es für die Festwirte, nun beim - wenn auch ungewollten - Schummeln ertappt worden zu sein. Ein akribischer Bergfan hatte zuhause in einen auf der Kirchweih weit verbreiteten Krug zwei Flaschenbiere eingefüllt und sich gewundert, dass dieser voller war, als er hätte sein dürfen. Das Eichamt nahm ebenfalls Maß - und stellte fest, dass die Maß einen extrem brauerei-freundlichen Füllstrich hatte. Weitere Kontrollen ergaben, dass es sich dabei nicht um eine zufällige Abweichung handelte, sondern ein Großteil der Krüge nicht die erforderliche Innenfüllhöhe anzeigt - eine Abweichung, die beinahe unbemerkt geblieben wäre.
Für Tucher-Vertriebsdirektor Karl-Heinz Wöhrle ist diese Entdeckung «höchst unerfreulich», allerdings sieht er sein Haus (und andere Brauereien) auch nicht am Pranger: «Wir haben zwei, drei Hersteller unserer Bierkrüge, und wir werden die fehlerhaften Krüge natürlich monieren und notfalls Schadenersatz verlangen.»
«Steinbächer» zu voll
Diesen Ärger hat nur ein Keller nicht - dafür hat er ein gegenteiliges Problem. Dieter Gewalt, Seniorchef der Brauerei Steinbach, hat beim Nachmessen festgestellt, dass in den Steinbach-Krügen der Füllstrich zu hoch sitzt - die im übrigen stets gut gefüllten Krüge also «von Haus aus» den Gast bevorzugen und den BrauHerren Christoph Gewalt benachteiligen. «Das wird nun aber nicht dazu führen, dass wir knapper einschenken», so der Juniorchef.
Erlangens «Berg-Referent» Konrad Beugel, der am Freitagvormittag von diesen Nachrichten überrascht wurde, handelte schnell. «Die Abmahnungen sind raus», sagte er, «jetzt müssen wir einen Modus finden, wie die Kunden nicht benachteiligt werden.» Er empfiehlt erst einmal «genaues Hinsehen am Ausschank». Erich-Wirt Thomas Fischer: «Wenn’s nicht passt, wird nachgeschenkt.» pm |