|
|
 |
Grün als «roter Faden» |
| Die ungewöhnlichen Kunstwerke von Reiner F. Schulz |
| Grün als «roter Faden» |
 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
Es grünt so grün, wo Dormitz’ Künstler arbeiten: In unserer Serie «Atelierbesuch» stellen wir diesmal den Allrounder Reiner F. Schulz vor - auch bekannt als «der Mann mit der grünen Kuh auf dem Dach».
Seine Freunde sagen, er sei sehr sarkastisch. «Ich will da nicht widersprechen», schmunzelt der gebürtige Duisburger und schielt auf die lebensgroße Mumie, die er seiner Frau zum 40. Geburtstag geschenkt hat, und die prominent im heimischen Wohnzimmer steht. Doch der hauptberufliche Physiker ist nicht nur sarkastisch, er ist auch witzig, intelligent und «verrückt». Oder wie würden Sie jemanden nennen, der Eier in Kreuzform an Bäume nagelt, «Kotztüten» sammelt und alles, was ihm zwischen die Finger kommt, grün streicht? Unlängst eine komplette Ampel. Schulz scherzt: «Wieso? Ampeln sollen doch grün sein!» «Vertissage» nennt er diese Art der Live-Performance, bei der er das Publikum gerne miteinbezieht: «Das ist doch geil, wenn ein Geschäftsmann im Anzug mit mir Eier grün anpinselt.» Dazu reicht er gerne grüne Götterspeise.
Doch der 53-Jährige veranstaltet nicht nur Performances, er malt auch Gemälde, vorwiegend mit Öl, oder baut Mixed-Media und Installationen. Das Grün zieht sich dabei als «roter Faden» durch fast alle seine Werke. Oder besser gesagt, als grüne Gartenschläuche. «Die Idee, die Schläuche zu verwenden, ist mir beim Gießen gekommen», erklärt Schulz. Seitdem durchzieht er die unterschiedlichsten Dinge mit den Plastikröhren. Zum Beispiel alte Stahlhelme. Denn ebenso wie Kotztüten, Mähdrescher und Flugzeugträger findet Schulz Stahlhelme einfach schön. Ganz ohne militaristische Verherrlichung, sondern aufgrund der Form, der Aura. Man kann Schulz deshalb freilich für verrückt erklären. Man kann die auf grüne Gartenschläuche aufgespießten Helme aber auch auf sich wirken lassen. Und nach einer Weile, vielleicht muss man selbst ein wenig verrückt sein, erscheint die Schönheit des Werkes gar nicht mehr so absurd.
Warum ausgerechnet immer grün? Schulz liefert keine tief spirituelle Begründung: «Es ist einfach meine Farbe.» Seit gut 15 Jahren arbeitet er mit ihr, und auch nach dieser langen Zeit hat er sich nicht satt gesehen. Gerne kombiniert der Naturwissenschaftler mit Gold: «Die Arbeit mit Blattgold ist einfach geil», erklärt er. «Es hat etwas Sinnliches, Meditatives, fast Göttliches. Damit zu arbeiten zwingt einen zur Ruhe.» Sein Ausgangsmaterial wie die alten Stahlhelme oder die lebensgroße Kuh auf seinem Dach (Titel: «How now green cow») ersteigert er oft im Internet.
Doch Schulz ist nicht nur sarkastisch und verrückt, sondern auch sehr vielseitig. Sowohl was Ausdrucksformen, als auch was Themen anbelangt. Gerne karikiert er mythologische, historische und politische Stoffe, aber auch Kloßteig oder Homer Simpson müssen dran glauben und wechseln auf seinen Bildern mal eben die Farbe. Der Wissenschaftler in ihm ist dem Künstler oft bei der technischen Umsetzung seiner Ideen behilflich. Etwa bei seiner Leuchtdiodenlichtinstallation bei Klassik am See oder wenn Schulz auf die Idee kommt, für die Blaue Nacht einen «Zwillingspneumokondomaten», der Verhüterlis im Doppelpack aufbläst, zu kreieren.
Eben solche spektakulären Aktionen bevorzugt Schulz: «Denn die klassische Galerieausstellung ist tot und genauso schlimm wie die Cracker und der Aldiwein dort.» Er will die Leute stattdessen einbinden, unterhalten und zugleich aber Tiefgang präsentieren. Schulz: «Auf die richtige Mischung kommt es an.»
Viel Zeit, sich für seine Leidenschaft ins Atelier auf dem Dachboden (natürlich mit grünem Teppich!) zurückzuziehen, bleibt dem nur nebenberuflichen Künstler leider nicht oft. «Deshalb muss ich sehr effizient arbeiten», erklärt er und setzt massiv auf moderne Techniken wie Fotografie, Bildbearbeitung am Computer und das Übertragen auf Leinwand mittels Beamer. «Nur das realistische Malen in Öl will ich mir nicht nehmen, es macht Spaß und gibt Ruhe.»
Doch ein Perfektionist sei er nicht. «Mit genügen auch 80 Prozent», gesteht Schulz: «Natürlich könnte ich ewig an einer Sache feilen. Aber da investiere ich meine Energie lieber in etwas Neues.» Demnächst will der sarkastische Physiker etwas Fränkisches machen. «Ich denke da an grüne Schäuferla oder ein Kloßkatapult», verrät er.
Auch den Mähdreschern in Franken möchte sich der Zugereiste einmal ausgiebig widmen. Was auch dabei herauskommt, fest steht schon jetzt: Es wird grün werden und ein wenig «verrück»t. Wie der Erzeuger selbst eben. BRIGITTE VORDERMAYER |
| 14.8.2007 |
 |
| ©
ERLANGER NACHRICHTEN |
|
|
|
| | Artikel empfehlen | E-Mail an die Redaktion | Zur Druckversion |
|
 |
ANZEIGE |
| |
Bild des Tages
 Für eine größere Ansicht: Klick aufs Bild!
|
| |
Bildstrecken
|
| |
35. BARDENTREFFEN
|
| |
ANZEIGE |
| |
RATGEBER |
| |
Alles was wichtig ist rund um die Szene in Nürnberg und noch viel mehr gibt es in der
Szene Extra!Einfach mal reinklicken |
| |
ANZEIGE |
| |
|