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Aus Protest wohnen Studenten nun im Schloss

Vertreter vom Bündnis gegen Studiengebühren an der Friedrich-Alexander-Uni besetzen die Univerwaltung
 Aus Protest wohnen Studenten nun im Schloss
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«Wenn Diskussionen nichts bringen, dann muss man sich etwas anderes überlegen.“ Zum Beispiel die Universitätsverwaltung besetzen, sagten sich Vertreter vom Bündnis gegen Studiengebühren an der Friedrich-Alexander-Universität. Gesagt, getan. Aus Protest gegen die drohenden Studiengebühren zogen gestern 17 Studenten, die an der Universität Erlangen-Nürnberg eingeschrieben sind, mit Sack und Pack in das Erlanger Schloss ein.

Kurz nach halb neun nähert sich eine Gruppe Frauen und Männer dem Haupteingang des Schlosses. Drei, vier tragen zwei Sessel, weitere einen großen Topf mit vegetarischem Eintopf sowie Tetrapacks mit Eistee, andere Iso-Matten, Decken und Schlafsäcke, eine Trommel und ein Laptop. Ihr Ziel ist das Büro von Prof. Karl-Dieter Grüske, Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg und Hausherr im Schloss, der nur wenige Minuten vor den ungebetenen Übernachtungsgästen den Sitz der Universitätsverwaltung betreten hat.

«Freier Zugang zu Bildung für alle!“ ist das zentrale Anliegen, für das die 17 Studenten trommeln. Vor dem Rektorat stellen sie Sitzecke und Gepäck ab, an die Türen heften sie einen acht Punkte umfassenden Katalog mit Forderungen, unter anderem auch die folgende: «Die Universitätsverwaltung soll sich offiziell gegen Studiengebühren aussprechen.“

Mit dem Einrichten — sie wollen zwei Tage bleiben — sind die Demonstranten noch nicht fertig, da schaut Prof. Grüske bereits durch die Tür, die sich nur einen Spalt öffnen lässt, weil die Sessel davor stehen, und fragt: «Was wird denn das?“ «Die Uni ist besetzt“, antworten mehrere unisono und einer erklärt, weshalb sie vor Grüskes Zimmer campieren: «Sie haben nichts gegen Studiengebühren getan, sondern vielmehr der Einführung Vorschub geleistet.“

«Fluchtwege freihalten!“

«Ich bin doch nicht der Gesetzgeber“, entgegnet der Rektor und erinnert daran, dass er bei verschiedenen Gelegenheiten mit vielen Studenten über den Komplex gesprochen hatte. Nachdem einige Argumente ausgetauscht sind, wird Prof. Grüske ans Telefon gerufen. «Bleiben Sie sitzen! Aber halten Sie die Fluchtwege frei!“, ermahnt er noch und folgt seiner Sekretärin.

In den nächsten Stunden stellen die «Besetzer“ eine Tagesordnung auf, entwerfen Konzepte für Workshops zu Themen wie «Argumente gegen Studiengebühren“, informieren in der Stadt und in den Hörsälen über ihre Aktion und ihre Anliegen und planen eine Versammlung, zu der sie nicht nur die übrigen Studenten einladen, sondern auch Prof. Grüske.

Währenddessen fährt am Schloss zwei, drei Mal ein Streifenwagen der Polizei vorbei. Das «Besetzt“-Transparent, das die Demo-Teilnehmer über dem Haupteingang des Schlosses aufgehängt haben, hat die Ordnungshüter, wie später Polizeisprecher Ralph Koch berichten wird, ähnlich wie Studenten, Passanten und an der Uni Beschäftigte aufmerksam gemacht. Gegen 10.30 Uhr schließlich betreten zwei Polizisten das Schloss. Nachdem sie mit dem Hausherrn gesprochen haben und, so sagen die Demonstranten, Protest-Teilnehmer fotografiert haben, weisen die Beamten die Studenten darauf hin, ab welchem Punkt sie sich des Hausfriedensbruchs schuldig machen. Nämlich dann, wenn sie die Aufforderung des Hausherrn Grüske missachten, das Schloss zu verlassen. Gegenüber den EN versichert der Rektor jedoch: «Wir werden das dulden.“ Und: «Wir haben sehr großes Verständnis für das Anliegen der Studenten.“

Ab Sommer 2007

Während der anschließenden Diskussion, zu der sich etwa 50 Studenten versammeln, sagt Prof. Grüske über die Studienbeiträge, die von Sommer 2007 an erhoben werden sollen: Ihm gehe es nicht um die Frage «Pro oder Kontra Studienbeiträge“, sondern vielmehr darum, dass sie sozial verträglich eingeführt werden. Ähnlich hatte er sich schon am Freitag bei einer Anhörung von Professoren, Studenten und Verbänden zur Hochschulreform im Landtag geäußert. Nach Medienberichten hatte er geklagt: «Die Sozialverträglichkeit wird den Studenten selbst aufgebürdet.“

Genau dies ist auch eine der Hauptsorgen, die die Studiengebühren-Gegner umtreibt. Den Demonstranten, die versichern, dass sie mit ihrer Aktion im Schloss ein Zeichen setzten und nicht Müll hinterlassen oder gar randalieren wollen, wünscht der Rektor eine «Gute Nacht hier!“

KIRSTEN WALTERT (TEXT) UND BERND BÖHNER (FOTOS)
17.1.2006
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