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Unerträgliche Sünden in Erlangen - stundenweise verhüllt

In der katholischen Kirche Herz Jesu soll ein Kompromiss zur Befriedung der stark verstörten Gemeinde führen
 Unerträgliche Sünden in Erlangen - stundenweise verhüllt
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Foto: Bernd Böhner
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ERLANGEN - Am Anfang stand die Bitte um Mäßigung, am Ende ein Kompromiss: Der Streit um die Ausstellung »Sieben Todsünden« des Künstlers Béla Faragó in der katholischen Herz-Jesu-Kirche scheint dadurch beigelegt, dass die ebenso ausdrucksstarken wie etliche Kirchenbesucherinnen schockierenden Bilder während der Gottesdienste verhängt werden.

Die Frage, ob es sich bei den Werken (insbesondere beim Gemälde »Wollust«, das eine nackte Frau mit gespreizten Schenkeln darstellt) des Gewinners des Kunstpreises der Nürnberger Nachrichten, Béla Faragó, um Kunst oder Pornografie handelt, muss an diesem Abend gar nicht erst beantwortet werden, weil sie nicht ernsthaft gestellt wurde. Sehr wohl gestellt wird aber die Frage, ob es zulässig ist, sich von diesen Bilder abgestoßen, zumindest aber schockiert zu fühlen. Die Antwort ist ganz klar: Ja, es ist ebenso erlaubt wie nachvollziehbar - und es soll in angemessener Weise auch Rücksicht darauf genommen werden.

Bis der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Klaus Koschinsky allerdings den befreiend wirkenden Vorschlag mit der Verdeckung der Bilder einführen kann, wogen die Meinungen im vollen Saal der Pfarrgemeinde Herz Jesu hin und her. Die Kirche besuchende Kinder werden von beiden Seiten ebenso ins Feld geführt wie die Ministrant(inn)en. Zeugen für die Harmlosigkeit der Bilder (»Meine Kinder haben die gar nicht richtig gesehen«, so ein Vater), andere, vor allem Besucherinnen, wollen tiefe Verstörung bei den Kinder beobachtet haben. Eine junge Mutter mit Kindern in der Kommuniongruppe: »Meine Kinder finden das Gemälde abstoßend.«

Aber auch Verletzungen des persönlichen Schamgefühls gibt es angesichts der »Wollust«. Eine ältere Dame spricht von Pornografie und davon, dass die Frau nur als Lustobjekt dargestellt werde. Ihre Klage mündet im Verdikt: »Es gibt heute offenbar kein Schamgefühl mehr.« Andere sprechen von einem »Monsterbild« oder von einem »vulgären Gemälde« und bestärken das Gemeindemitglied Marianne Schröppel, eine lebendig-streitlustige Anfangssechzigerin, die freimütig bekennt, das Bild - wie berichtet - über Nacht zusammengerollt und versteckt zu haben.

Lehrreiche Lektion

Für Pfarrer Wolfgang Döll und seinen Pastoralreferenten Martin Förster - er hat mit der Erlanger Kunstgalerie Ars pro toto die Ausstellung in der Kirche Herz Jesu eingefädelt - ist die Ausstellung der sieben Todsünden gerade in der Fastenzeit eine lehrreiche und auch aus Glaubens-Sicht wünschenswerte Lektion. Die Bilder seien gerade in ihrer drastischen Art eine Anklage gegen jene Sünden, die sie zum Gegenstand hätten - eine Meinung, der sich auch ein Frau im Namen ihrer Kinder und Enkelkinder anschließt: »Das Bild ist pervers, aber im positiven Sinn. Es zeigt, wie Lust zu Wollust pervertiert wird, und ich bin dankbar für das große Maß an Freiheit, unterscheiden zu können, was schön und was Sünde ist.« Sie spielt den Ball zurück an die Empörten, die ihrerseits die Darstellung »auf die Genitalien reduzieren«, während sie mit ihren Kindern »sehr gute Gespräche« über die Bilder führe.

Dieser Meinung schließt sich eine weitere Mutter an, deren Kinder das Gemälde der Todsünde Hass »viel krasser« empfänden, ein Bild, »das von Kindern als viel bedrohlicher empfunden wird«. Die Ausstellung sei aber eine gute Gelegenheit, mit Kindern auch über heikle Themen zu sprechen. »Kinder sehen heute so vieles, ohne dass Eltern darauf Einfluss nehmen können. Hier können wir es ganz bewusst!« Und für den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Klaus Koschinsky ist klar: »Kinder sehen in den Bildern nicht das, was der Fantasie von Erwachsenen entspringt«. Sein und seines Gemeinderates »Vorschlag zur Güte« beruhigt die Gemüter etwas und lässt auch Pfarrer Wolfgang Döll unbeschädigt. Dessen Pastoralreferent Martin Förster ist ebenfalls erleichtert: »Mit der Ausstellung bringen wir die Wirklichkeit in die Mitte unserer Kirche.« Eine Wirklichkeit, die offenbar schon als solche schwer erträglich ist.

Peter Millian
13.3.2010
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