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Groß war die Aufregung um und über die Schweinegrippe und die Impfung dagegen. Mittlerweile haben sich entgegen der Prognosen nur rund zehn Prozent der Bevölkerung immunisieren lassen. Was passiert mit dem Impfstoff, der - anfangs heiß begehrt und nicht ausreichend lieferbar - jetzt ungenutzt in den Apotheken auf Halde liegt?
ERLANGEN - «Nicht nur die Nachfrage bei der Impfung selbst war geringer als erwartet, es war auch bei den Risikogruppen oftmals keine zweite Impfung notwendig, wie die Anwendungsbeobachtung gezeigt hat», gibt Peter Lederer, Leiter des Gesundheitsamts, Auskunft. Die offizielle Empfehlung der Impfexperten pro Schweinegrippen-Impfung bestehe aber nach wie vor, denn die erste Erkrankungswelle sei bereits da gewesen, und man könne nicht ausschließen, dass eine zweite folge. Daher sei noch genügend Pandemrix-Impfstoff verfügbar, in Erlangen sei ziemlich bedarfsgerecht bestellt worden.
Ingeborg Müller, Sprecherin der Erlanger Apotheken, bestätigt das: «Anfangs war der Impfstoff knapp, aber wir haben uns kollegial untereinander ausgeholfen. Als später mehr freigegeben wurde, trat die Impfmüdigkeit ein. Es gibt aber noch Bestände. Wer will, kann sich also noch gegen die Schweinegrippe impfen lassen.»
In Erlangen seien die Erkrankungen meist problemlos verlaufen, meint Müller, betont aber, dass man so etwas immer erst im Nachhinein beurteilen kann, die Immunisierung daher nötig gewesen sei, «vor allem für Siemensleute, die ja häufig ins Ausland fliegen!»
Für die Kosten der Impfung komme der Freistaat auf, also der Steuerzahler, erklärt die Apothekerin. Von einer Vereinbarung zwischen dem Land Bayern und der Herstellerfirma, dass die ungebrauchten Dosen zurückgegeben werden könnten, weiß sie nichts. Andere Impfstoffe seien auch nicht zurückgenommen worden. Eventuell könne man das überzählige Pandemrix nach Osteuropa weitergeben, denn dort schwappe die Schweinegrippewelle gerade.
«Virus verändert sich»
Die Universitätskliniken haben 3000 Impfdosen bestellt und zwei Drittel davon verbraucht. Die restlichen 1000 behalten sie in Reserve, berichtet Johannes Eissing, der Pressesprecher der Uni-Kliniken. Man sehe hier keine Probleme auf sich zukommen. Ähnlich äußert sich einer der Betriebsärzte des Klinikums, Hannes Strebl: «Die Impfkommission der Klinik beschloss abzuwarten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch Impfstoff gebraucht wird. Bei der saisonalen Grippe haben wir beobachtet, dass die größte Welle Ende Februar/Anfang März auf uns zurollt. Es könnte bei der Schweinegrippe ähnlich laufen.»
Sollte sich dann außerhalb des Klinikums ein erhöhter Bedarf abzeichnen, werde man selbstverständlich aushelfen. Es bringe nichts, den Impfstoff lange aufzuheben, denn bis zum nächsten Jahr habe sich der Virus sicherlich verändert.
«Ich bin froh, dass alles so glimpflich abgegangen ist», meint Strebl und freut sich, dass er in seinem Unternehmen bisher doppelt so viele Mitarbeiter impfen konnte als in den letzten Jahren gegen die saisonale Grippe. «Dennoch hätte ich mir mehr Teilnehmer an der Schweinegrippe- Impfung gewünscht.» CHRISTIANE BENESCH |