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Erlangens Kulturvertreter sprechen im Audimax mit streikenden Studenten über das Thema «Bildung».
ERLANGEN - «Wenn ihr’s nicht macht, dann macht’s keiner», so Katja Ott, Intendantin am Theater Erlangen, zu den streikenden Studierenden im Audimax. Am 21. Tag der Besetzung hatten die Studenten Vertreter der Erlanger Kultur eingeladen, um deren Sicht auf die aktuelle Bildungsdebatte und den aktuellen Streik zu erfahren.
Neben Ott nahmen Kulturreferent Dieter Rossmeissl, Thomas Engelhardt, Leiter des Stadtmuseums Erlangen, Harald Tesan, Kunstgeschichtler und Joachim Bahler, Leiter der Stadtbücherei Erlangen an dem Gespräch teil.
Nachdem die Kulturvertreter auf dem Podium einige Anekdoten über ihre eigene Studienzeit ausgetauscht hatten, waren sie über die aktuelle Bildungssituation schnell einig: Wenn die Vielfalt und die Freiheit der Bildung eingeschränkt werde, schlage man einen falschen Weg ein.
«Offene Biografie»
Rossmeissl meinte diesbezüglich, dass für eine heute geforderte «offene Biografie» ein breites, interdisziplinäres Wissen notwendig sei. «Heute weiß niemand mehr, welchen Beruf man am Ende seiner Berufskarriere ausübt.» Katja Ott erzählte von ihrem Studium in Frankfurt, das ihr genug Zeit für Hospitationen bzw. Besuche in für sie fachfremden Seminaren ließ: «Ich säße heute nicht hier, wenn ich nicht so studiert hätte. Ein Studium, welches das Sammeln von Praktika und praktischen Erfahrungen erschwert und die Freiheit selbstständig Kurse zu wählen abspricht, ist völliger Quark.» So sah das auch Tesan, denn: «Umwege sind das Fruchtbarste.»
Thomas Engelhardt fügte hinzu: «Ungerichtetes Lernen bringt einen viel weiter.»
Allgemein solidarisch
Neben den Studiengebühren – «ich hätte Probleme gehabt, das Geld aufzubringen», so Bahler – beanstandeten die Kulturreferenten die Ökonomisierung der Bildung. Rossmeissl kritisierte dabei das Mitspracherecht der privaten Wirtschaft bei universitären Entscheidungen.
Die anwesenden Kulturvertreter zeigten sich allgemein solidarisch mit den Studierenden, Rossmeissl betonte jedoch, die Schuld nicht bloß nach Bologna zu schieben und dass auch die Hochschulverwaltung nicht der alleinige Buhmann sei. «Das Problem heißt hier nicht Grüske, sondern Seehofer oder auch Schavan.»
Aber er versprach, seine Meinung Rektor Karl-Dieter Grüske persönlich zu unterbreiten. Das eineinhalbstündige Gespräch flachte jedoch im Vergleich zu vorangegangen Diskussionen schnell ab, da kein wirklicher Kontrahent im Raum saß und so zwischen den Gästen und den knapp 50 anwesenden Studenten schnell Einigkeit bestand, was einerseits den Streikenden neue Motivation gab, aber andererseits für diese Diskussion weniger förderlich war.
STEFANIE MILLER |