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Studenten, die sich zunächst an einer Demo gegen die derzeitige Bildungspolitik beteiligt hatten, halten seit gestern das Audimax besetzt.
ERLANGEN - Um halb elf fliegen im Audimax die Türen auf. Junge Frauen und Männer strömen in den Saal, in dem Kommilitionen einer Vorlesung zu «Deutsche Rechtsgeschichte» lauschen. Als die ersten Demonstranten mit ihrem Transparent «Bildung für alle - und zwar umsonst» die Bühne erreichen, verstummt der Dozent und räumt schließlich das Feld. «Wir sind hier, weil wir etwas Richtiges starten wollen», ruft ein Protest-Teilnehmer ins Mikro. Mit Redebeiträgen und in Arbeitsgruppen könnten nun alle mitgestalten. Trotz seines Versuchs, alle Vorlesungs-Besucher für den Bildungsstreik zu gewinnen, verlassen etliche das Audimax.
Mit Pfiffen gegen Gebühren
Größere Wirkung zeigten derartige Appelle beim vorausgehenden Demonstrationszug. Während sich auf dem Hugenottenplatz zunächst 230 Studierende und Schüler versammelt hatten, um mit Trillerpfeifen und Plakaten für bessere Lernbedingungen, mehr Geld für die Bildung und mehr Mitbestimmung sowie gegen Studiengebühren, soziale Auslese und den so genannten Bologna-Prozess zu protestieren, schlossen sich auf der Universitätsstraße mehr und mehr junge Menschen dem Protest an. Am Lorlebergplatz zählten die Beamten, die den Zug begleiteten und den Verkehr regelten, bereits 600 Teilnehmer.
Damit übertraf die tatsächliche Teilnehmerzahl deutlich die Erwartungen der Organisatoren, die lediglich mit 200 Demonstranten gerechnet hatten. «Wir sind sehr zufrieden», sagte Paul Zimmer, Sprecher von «Linke und kritische StudentInnen» (Luks). Die neu gegründete Organisation, so Zimmer, verstehe sich als Sammelbecken für alljene, die einen Gegenpol bilden wollen, zu der als «sehr konservativ geltenden Uni in Erlangen».
Auch Schüler, die teils ohne Wissen ihrer Eltern und unentschuldigt dem Unterricht fern geblieben waren, beteiligten sich an dem Protest. An den Schulen herrschten ähnliche Missstände wie an den Unis, begründete «Luks»-Sprecher Zimmer. Leistungsdruck, überfüllte Räume und überbordende Lehrpläne erschwerten nicht nur Studierenden das Lernen, sondern auch Schülern. «Ich demonstriere, weil es nicht sein kann, dass jemand nicht studieren kann, weil die Eltern nicht so viel Geld haben», erläuterte beispielsweise Cornelia (15), weshalb sie statt im Unterricht an einem Erlanger Gymnasium zu sitzen zur Demo gekommen war.
Die Universitätsleitung entschied sich dazu, «zunächst abzuwarten», so Sprecherin Sandra Kurze. Man nehme berechtigte Kritik und Anregungen der Studierenden sehr ernst und bemühe sich, die Studienbedingungen «optimal zu gestalten», sagte Uni-Rektor Prof. Karl-Dieter Grüske in einer Pressemitteilung.
Den ganzen Nachmittag über liefen im Audimax die Vorbereitungen für weitere Protestaktionen. Zudem richteten sich die Demonstranten darauf ein, zumindest über Nacht die Stellung zu halten. Zimmer. «Wir bleiben solange als möglich.» (siehe auch EN-Hauptteil) KIRSTEN WALTERT |