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Ein Versuch über die Hässlichkeit

Installationen, Zeichnungen und Objekte von Michael Göbel in der Galerie «arsprototo»
 Ein Versuch über die Hässlichkeit
Foto: Harald Hofmann
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Dass es Aufgabe der Kunst sei, die Welt zu verschönern, glaubt heute Keiner mehr, nicht nur, weil die Kunsttheorie dem widerspricht: Schließlich lehrt auch der Augenschein eher das Gegenteil. Michael Göbel, Objektkünstler, Zeichner und Skulpteur aus Kassel, beschäftigt sich in der Galerie «arsprototo» konsequenterweise damit, die Verhässlichung der Welt zu dokumentieren.

Mit Präzision und kalter Wut konstruiert er den Traum vom eigenen Haus im detailgetreuen Miniatur-Modell. Nur ist das ganze Ensemble einschließlich Dachziegeln, Rasen, Zaun und Wäschespinne mit einem ausgesucht hässlichen weißgelben Farbton gestrichen. Das hat etwas Denunziatorisches, weil Göbel damit nur die Fließband-Architektur des durchschnittlichen Häuslebauers trifft.

Ehrlicher wäre es gewesen, sich dafür ein Bauhausmodell vorzunehmen. Im Wettbewerb um die unmenschlichste Architektur hätte es problemlos obsiegt. Schließlich widmen sich gerade Architektur und Design mit Hingabe der Verhinderung des Schönen.

Auch die gängige Schrankwand für das bürgerliche Wohnzimmer sieht schon in Wirklichkeit dermaßen fürchterlich aus, dass ihre ursprüngliche Hässlichkeit durch das weißgestrichene Modell nur unwesentlich gesteigert werden kann. Dagegen vermischt Göbel in seinem Stühle-Rondell Sitzgelegenheiten vom alten Küchenstuhl bis zum Chefsessel mit Designermodellen. Alle sind im gleichmacherischen Weiß gehalten. Und da sieht der Küchenstuhl immer noch besser aus, als die Kunststoffschale auf Spinnenbeinen.

Jenseits solcher formaler Kontraste firmiert das Modell eines Riesenrads, dessen Original in Tschernobyl steht, in einem Vergnügungspark für Katastrophentouristen: detailgetreu, gleichzeitig aber fragmentiert an Wand und Boden verankert. Eine Ruine, die in Konkurrenz mit der Ruine des Atommeilers schon wieder zum Monument zweckfreier Schönheit wird.

Die Wirklichkeit ist selten eindeutig. Auf Göbels Zeichnungen verschwimmt sie in den breiten Konturen des hellgrauen Markers aus der Ferne betrachtet zu einer nahezu impressionistischen Industrielandschaft. In der Nähe lösen sich die Zusammenhänge auf, gleichzeitig aber treten exakt gezeichnete Details hervor. Die Wirklichkeit der Kunst erweist sich als ambivalent. KURT JAUSLIN

Michael Göbel: «destinations and dreams.» «Arsprototo», Henkestr. 66. Bis 8. August, geöffnet: Mi.-Fr. 15-20, Sa. 11-16 Uhr.
25.7.2009
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