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04.07.2009
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Ausgepackte Möpse

Zweideutige Performance beim Erlanger Kunstverein
 Ausgepackte Möpse
Eine ungewöhnliche Performance fand unter dem Motto «Die Möpse der Markgräfin» in und vor der Neuen Galerie des Erlanger Kunstvereins statt.

Reiner F. Schulz und das wohlgeformte Bodypaintingmodel Flaca halten Wort: «Die Möpse werden rausgeholt und mit grüner Farbe angemalt.» Doch manche - durch Zweideutigkeiten angeregte - Wunschvorstellungen im Publikum lösen sich in diesem Moment in Luft auf. Denn Flaca entblättert sich nicht etwa, sondern schwingt den Pinsel, um zwei herrlich kitschige Hundefigürchen grün anzumalen - und Reiner F. Schulz freut sich diebisch über sein gelungenes Spiel mit Erwartungshaltungen und der Transformation eines «Objekts» zurück in ein handelndes Subjekt.

Mit «Möpsen» war ohnehin an diesem Abend stets etwas anderes - ein Sprachhistoriker könnte wohl genau datieren, wann die Verwechslungsgefahr Einzug in den Wortschatz hielt - gemeint: Die Rolle der Markgräfin Wilhelmine bei der angeblichen Gründung eines «Mopsorden» in Bayreuth. Ganz sicher lässt es sich nicht sagen, ob es im 18. Jahrhundert tatsächlich diese Freimaurer-Alternative gegeben hat. War Wilhelmine, die gestern vor 300 Jahren geboren wurde, gar «Großmops» dieses Zusammenschlusses, dessen Novizen beim Aufnahme-Ritual angeblich wie ein Hund hecheln und den Po eines Porzellan-Hundes küssen mussten? Rätsel über Rätsel.

Damit es auch noch für daheim Anreiz zur Beschäftigung mit Möpsen gibt, hat der Kunstverein das passende Multiple organisiert. Dreimal darf geraten werden, wer der Schöpfer der limitieren Plastik-Möpse, die ab sofort für 100 Euro pro Stück in der Neuen Galerie des Kunstverein Erlangen zu haben sind. . . genau, Ottmar Hörl. Seines Zeichens Nürnberger Akademie-Präsident und Schöpfer solcher Kunst-Massenspektakel wie «Das große Hasenstück» auf dem Nürnberger Hauptmarkt.

Die Idee zu einer ähnlichen spektakulären Aktion hatte vor zwei Jahren auch die KV-Vorsitzende Hannelore Heil-Vestner. Doch auf der Suche nach Sponsoren musste sie beim Klinkenputzen bei der Universität und bei der Stadt schnell feststellen: «Die Idee fanden alle gut, doch Geld konnte und wollte niemand dafür zur Verfügung stellen.» Dass es nun doch zur Mini-Mops-Parade in Erlangen kommt, ist dem Zufall zu verdanken. Hörl entwickelt fürs Landesmuseum Mainz eine Mops-Installation - und hat so Figuren für die Hugenottenstadt übrig. Ach ja: Und noch weitere kleine Kunstwerke waren beim Kunstverein im Umlauf. Zuckersüße «Möpse» aus der Konditorei der Firma «Der Beck». Und diese sind einfach zum Reinbeißen. smö
4.7.2009
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